Raunächte – die zwölf Tage zwischen den Jahren

© evarin20 - Fotolia.comHey Folks!

Habt ihr gut gefeiert oder steht euch das frohe Fest noch bevor? Wir durften gestern Besuch empfangen und werden auch heute Abend Gäste bewirten. Aber darum geht es heute nicht – sondern um eine ganz spezielle Zeit, die nun anbricht: Die Tage zwischen den Jahren.

Vielleicht kennen ja einige meiner Friends diesen Brauch, der im Alpenraum auch heute noch in katholischen, ländlichen Gegenden praktiziert wird: die Räucherung von Haus und Stall in den zwölf Lostagen.

Blog_2013-12-25_Raunaechte_1Um Weihnachten, Silvester und Dreikönigstag ranken sich in den Alpenländern eine Menge Brauchtum, Orakel und Aberglaube, wobei sich heidnische Gestalten und das Christentum die Hand reichen. Heute ist es schwer feststellbar, wo die jeweiligen Ursprünge des lokalen Brauchtums liegen. So mag der Kult des Räucherns etwa auf vorchristliche Zeiten, vielleicht bis zu den Kelten, zurück gehen.

Die Raunächte beginnen in den meisten Gegenden nach der Heiligen Nacht, also in der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember. Sie dauern zwölf Nächte, bis zum Heiligdreikönig am 6. Januar. In gewissen Regionen zählt bereits der 21. Dezember – der Tag der Wintersonnenwende – zu den Tagen zwischen den Jahren.

Die Tage bzw. Nächte zwischen den Jahren lassen sich kalendarisch erklären: Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst nur 354 Tage (12 x 29.5 Tage) – ein Sonnenjahr dauert jedoch 365 Tage. Die Differenz – elf Tage respektive zwölf Nächte – werden als tote Tage, Tage ausserhalb der Zeit, eingeschoben. Solche Tage sind in der Mythologie oft Zeitspannen, in denen Geister ihr Unwesen treiben. So wird in unserem Kulturkreis überliefert, dass Pfercht – die mächtigste Unterweltgöttin des Alpenraums – mit ihrem Herr von Waldgeistern, Gnomen und Kobolden übers Land reitet. Hierzu habe ich online einen interessanten Artikel aus der Appenzeller Zeitung gefunden.

Die zwölf Nächte gelten also als die Zeit zwischen der Zeit. Symbolisch steht jede Nacht der zwölf Nächte für einen Monat des neuen Jahres. Eine andere Interpretation ist es, dass die ersten sechs Nächte der Rückschau, dem Abschluss des Vergangenen dienen, um dann in den zweiten sechs Nächten das Kommende zu visionieren.

© VeganFoxDie zwölf Nächte sind zudem der Höhepunkt des Orakeljahres. So sollen die Träume der zwölf Nächte Auskunft über die kommenden zwölf Monate geben. Es gibt heute noch Leute, die aufgrund des Wetters während dieser zwölf Tage eine Wetterprognose für das kommende Jahr prognostizieren. Oder es wurden Vorkommnissen wie dem Sonnenschein zu bestimmten Tagen orakelhafte Bedeutungen zugeschrieben. Das ist dem VeganFox jedoch zu abstrakt und zu abergläubisch. Das lässt er links liegen.

So, genug des Einganggeplänkels! Aber etwas theoretisches Wissen kann ja nie schaden, oder, meine Friends? Was mich als schlaue Füxin enorm fasziniert, sind die Räucherungen. Räucherwerke stellen das älteste Duftmittel der Menschen dar. Gerüche sind für uns ab Geburt eine wichtige Orientierung – kein Wunder, lösen Gerüche bei uns starke Emotionen und Erinnerungen aus. Und so bin ich ob der Wirkung von Düften überzeugt. Und vom Räuchern fasziniert. Warum das so ist – dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

In der Schweiz ist das Ritual des Räucherns zwischen den Jahren im Appenzell nachwievor lebendig: „Räuchle“ wird es hier genannt. Der Brauch ist auf der Webseite von Tourismus Appenzell aufgeführt. Hier heisst es unter anderem:

Am Heiligen Abend zur Zeit des Einnachtens – das ist bei den Bauern die Zeit zwischen Füttern und Melken – geht der Vater mit der qualmenden Räuchlipfanne, aus der beim Schwenken ein dichter duftender Rauch steigt, durch alle Räume des Hauses, durch den Stall und auch um Haus und Gaden herum. Gleichzeitig versammelt sich die übrige Familie in der Stube und betet. Zumindest früher galt der kleine Psalter gegen «Öbel ond Oofall» als passendes Gebet zum Räuchlen. Die ganze Zeremonie wird am Altjahrabend und am Dreikönigsabend wiederholt.

© Toggenburger Tagblatt

Wann kannst du räuchern? Du kannst in jeder Nacht zwischen den Jahren räuchern. Oder aber du machst es wie die Appenzeller und räucherst an Weihnachten, Sylvester und dem Dreikönigstag.

© VeganFox

Was kannst du räuchern? Ich empfehle dir Weihrauch – wie er auch im Appenzell verwendet wird. Beim Räuchern während der Raunächte wünschen wir uns Schutz, Reinigung und Klärung. Diese Eigenschaften vereinigt der Weihrauch. Er gilt in alten okkulten Schulen als bestes Mittel für Weihung, Segnung, Reinigung und Schutz. Zudem ist er als Vermittler zwischen materielleren geistiger Welt bekannt und zeigt uns die Vision unseres Weges in die Zukunft. Bitte achte auf eine hochwertige Qualität des Rohstoffes – leider wird gerade auch an Pilgerstätten oft minderwertige Ware feil geboten.

© VeganFoxWie kannst du räuchern? Idealerweise verwendest du Räucherkohle, die du in einem mit Sand gefüllten Gefäss platzierst. Wenn du keine Räucherkohle vorrätig hast, kannst du beispielsweise einen Zunderpilz verwenden. Räucherkohle oder Zunderpilz müssen vor dem eigentlichen Räuchern glühen. Selbstverständlich kannst du auch ein kleines verkohltes, glimmendes Holzstück aus deiner Feuerstelle nehmen, das als Hitzequelle für dein Räuchergut dient. Zudem kannst du auch einen Kerzenstummel in ein Einmachglas oder Marmeladeglas stellen, ein feinmaschiges Gitterchen (vielleicht ginge auch ein metallenes Kaffeesieb – das habe ich jedoch noch nie ausprobiert) darüber legen und darauf deinen Räucherstoff legen.

© VeganFoxUm die Kohle beim Durchglühen zu unterstützen und beim Räuchern den aufsteigenden Rauch im Raum zu verteilen, verwendest du traditionellerweise eine Feder. Eine Postkarte erfüllt den Zweck genau so gut – wobei ich darauf achte, welche Karte ich verwende (eine, die mir viel bedeutet).

Falls du mit Weihrauch räucherst, achte darauf, dass du jeweils nur kleine Stückchen auf die Wärmequelle (Kohle, Zunderpilz, Sieb) gibst und lieber ein paar Mal nachlegst. Gehe mit dem Räuchergut durch deine Räume und verteile den Rauch in die Ecken; stelle dir vor, wie sich Belastendes und Ungutes, das sich im vergangenen Jahr ereignet hat, auflöst und Platz für Neues entsteht, ein neutrales, positives Energiefeld (ja, das klingt irgendwie grad einwenig esoterisch…).

Hey, Folks, kennt ihr auch solche Bräuche? Praktiziert ihr ein ähnliches Ritual? Würd mich echt interessieren, mehr von euch darüber zu erfahren!

Ich hoffe, ich hab euch mit meinem theoretischen Gelaber nicht zu sehr gelangweilt – ansonsten lasst es mich ungeniert wissen, klar, meine Friends? Andererseits – etwas Hirnfutter kann nach der ganzen Weihnachtsbäckerei und Italianità ja auch nicht zu arg schaden, oder?

Na dann – Merry X-mas und viel Spass, sowie positive Gedanken beim Räuchern von Haus und Fuxbau oder Stall oder was auch immer!

Euer VeganFox – gut getarnt, findet ihr mich?? 😛

Santa Claus

Literatur & Leseempfehlungen:

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